Lebensraum gestalten

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:05: Wenn ihr jetzt gerade bei euch zu Hause aus dem Fenster schaut, seht ihr dann einen Baum?

00:00:20: Eine Allee?

00:00:21: Vielleicht sogar ein Park oder einen kleinen Wald.

00:00:24: Viele Menschen die in Städten wie Wien leben haben diesen Luxus nicht.

00:00:29: aber ist es ein Luxus in einer Stadt Grünflächen zu haben?

00:00:32: oder darf man das von der Politik sogar fordern?

00:00:35: Warum ist gerade für Kinder und Jugendliche ein begrünter Gestalter der Freiraum wichtig?

00:00:40: Und wie löst man das Dilemma, wer hat Anspruch auf wie viel Grün.

00:00:44: Herzlich willkommen bei einer neuen Folge von Lebensraumgestalten!

00:00:48: Mein Name ist Laura Franz und ich freue mich sehr, dass ihr heute wieder bei uns rein hört.

00:00:54: Wie weit entfernt von ihrem Zuhause ist denn die nächste Grünfläche – den nächsten Baum?

00:00:58: Von mir entfernt ist es circa achthundert Meter oder eineinhalb Kilometer, je nachdem was man als Grün-Fläche hier bezeichnen kann.

00:01:08: Mein heutiger Gast, den ihr gerade gehört habt das ist Landschaftsarchitektin Lili Litschka die auch noch Wissenschaftlerin, Autorin und Aktivistin ist.

00:01:15: Sie leitet ihr das Institut für Landschaft Architektur der BOKU gründete die Sammlungen NextLand und L-Archiv mit und kuratierte die Vortragsreihe LX und ist Gründungsmitglied der performativen Aktivistengruppe BLA und Woops!

00:01:29: und der Aktionsplattform Westbahnpark LIVE.

00:01:31: ihre Arbeit verbindet Design Forschung und öffentlichen Diskurs.

00:01:36: Sie sind in Ihrer Arbeit zuständig für Freiraumgestaltung.

00:01:38: Was ist Ihnen denn dabei besonders wichtig?

00:01:41: In der Gestaltung selber geht es darum, dass die Bedürfnisse der Personen, die den Freiraumen nützen werden, Berücksichtigung finden.

00:01:48: Es geht aber auch darum eine gute Atmosphäre zu erzeugen.

00:01:52: Die Atmosphere besteht aus ästhetischen Komponenten und sie besteht auch aus klimatischem ... Bedingungen, die damit geschaffen werden.

00:01:59: Also ob es ausreichend Schatten gibt beispielsweise, ob's angenehm ist sich in der Wiese aufzuhalten oder ob man auf befestigten Flächen sich befindet und ähnliche Dinge

00:02:11: klimatische Dinge, das haben sie jetzt gerade angesprochen.

00:02:14: Der Sommer nähert sich die ersten Sommertage stehen vor der Tür, die Temperaturen klettern langsam aber sicher auf die fünfundzwanzig Grad Richtung dreißig auch und man merkt es auch schon in der Stadt wenn man neben einem Haus steht dass die Fassaden ganz schön warm werden.

00:02:26: warum ist es denn für Fassade auch wichtig einen begrünten Außenraum zu haben?

00:02:31: Der Freirom wird begrenzt durch Fassadens sehr häufig oder eben auch durch andere Einrichtungen die den Raum formen die den Raum eigentlich erst auch kreieren.

00:02:42: und die Ausgestaltung der Fassade oder dieser Grenzen, die spielt unmittelbar auf die Qualität des Freiraums.

00:02:49: Das heißt wenn dort jetzt Hitze abgestrahlt wird von dem Gebäude dann wirkt sich das auf das Empfinden der Wärme im Freiraum aus.

00:02:59: Wenn es angenehm ist um anzuschauen – das ist ein Punkt – klimatischen Bedingungen, also die Temperatur angeht.

00:03:08: Dann ist es eine Verbesserung.

00:03:10: Das anschauen darf man aber nicht vernachlässigen.

00:03:14: Eine Architektur, die entsprechend ausgestaltet ist und das man sich gerne anschaut, ist natürlich für den Freiraum auch wichtig.

00:03:22: Gibt's da auch eine Wechselwirkung zwischen jetzt dem begrünten Flächen- und der Fassade?

00:03:28: Natürlich!

00:03:29: Es spielt unmittelbar zusammen.

00:03:31: auf der einen Seite eben diese Bedingung von der Materialität ausgehen Wie schaut die Fassade konkret aus?

00:03:39: Und auch, aber wie schaut der Freiraum konkret aus.

00:03:43: Das beeinflusst sich gegenseitig unmittelbar.

00:03:45: auf der anderen Seite ist es natürlich extrem wichtig welche Funktionen aneinander grenzen.

00:03:50: das heißt wir sprechen dann von der Erdgeschosszone.

00:03:52: was ist dort drinnen?

00:03:54: kann der freiraum davon profitieren?

00:03:56: ist es angenehm die Nutzung zu beobachten?

00:03:59: ist es vielleicht sogar eine Bereicherung?

00:04:01: kann ich mir den Austausch zwischen innen und außen überhaupt anschauen, beziehungsweise kann ich mich daran vielleicht selber auch beteiligen.

00:04:09: Also hineingehen zum Beispiel kommender Personen heraus dient es meiner Versorgung oder kann ich vielleicht einfach Dinge beobachten?

00:04:22: Wenn wir jetzt beim Beispiel Stadtbegrünung bleiben dann gibt's hier Teile von Wien die richtig schön grün sind also zb der Prater oder auch Grandbezirke die an den Winterwald grenzen das Cottage Viertel im achzehnten Bezirk sehr dicht verbaut.

00:04:35: Es ist eigentlich nur Beton und Fassaden, und es scheint immer mehr Beton als Grün zu werden!

00:04:40: Wie löst man denn das Dilemma, dass Stadtteilbegrünungen immer nur bestimmten Menschen zugutekommen?

00:04:45: Das ist eine sehr knifelige Frage, weil sie auf die Gerechtigkeit anspielt, die sich in mehreren Aspekten ausdrückt.

00:04:53: Also es gibt die Möglichkeit darauf zu achten, dass zuerst diese Räume verbessert werden, diese Stadtteile bei denen der Schuh am meisten drückt also Prioritäten-Setzung zu machen, dass dort wo die Personen leben, die weniger mobil sind.

00:05:09: Die engere Bedingungen haben in jeder Hinsicht das sie dann wenigstens eine sehr gute wohnungsnahe Versorgung mit Grünräumen haben.

00:05:18: Also diese Priorisierung ist unabdingbar.

00:05:20: wir haben am Institut für Landschaftsarchitektur auch Studien dazu gemacht an der BOCO in Wien und haben dann auch festgestellt, dass die Verteilung extrem unterschiedlich und zwar sowohl im privaten Grün- und Freiraum als auch im öffentlichen Grün.

00:05:37: Der öffentliche Grün kann natürlich sehr gut gesteuert werden von der Stadtplanung, wir haben so ein Quadratkilometer ausgestanzt aus zwei Bereichen in der Stadt, da eine war im Fünfzehnten im sehr dicht bebauten Gebiet und dort gab es keinen Baum im öffentlichem Raum, keinen einzigen.

00:05:57: Und im Cottageviertel, das ist natürlich ein etwas plakativer Vergleich.

00:06:01: Gab es einen Baum pro Einwohner-Einwohnerinnen?

00:06:05: Im öffentlichen Raum – obwohl dort ja die Durchgrünung ohnehin durch die Gärten schon recht gut ist!

00:06:10: Das heißt nicht dass deswegen der öffentliche Raum schlechter sein soll aber die Verteilung zeigt das recht deutlich.

00:06:16: Also Sie meinen da sowohl im privaten Bereich bereits Bäume existieren und Begrünung da ist.

00:06:22: Und gleichzeitig im öffentlichen Bereich aber auch in diesen Vierteln sehr viel da ist?

00:06:26: Ja, das ist ja gut dass im öffentlichem Raum allein bestehen Baum rein und so weiter.

00:06:31: die Bäume spielen eine essentielle Rolle im öffentliche Freiraum.

00:06:35: Das ist ja Gut!

00:06:35: Das möchte ich auf keinen Fall schlecht heißen.

00:06:38: Es ist nur schlecht dass es woanders nicht existiert.

00:06:41: Bei den Grünen- und Freiräumen gibt's also die flächigen Räume wie Parkanlagen und Gärten Aber es gibt natürlich auch die Grünverbindungen, die ganz wichtig sind.

00:06:51: Also dass ich auch den Park zum Beispiel erreichen kann ohne auf dem Weg dorthin schon einer extremen Hitze ausgesetzt zu sein.

00:07:00: Was für Begründung gibt es denn noch abseits von jetzt großen Parkanlagen?

00:07:04: Gibt's auch kleinere Maßnahmen, die man setzen kann um zb in diesen dicht bebauten Bezirken Verbesserungen zu schaffen?

00:07:10: Ja eigentlich kann man quasi jeden Quadratmeter mal anschauen, ob die Nutzung, die dort jetzt vorgesehen ist, dem entspricht was der Bedarf auch für zukünftige Entwicklungen ist.

00:07:21: Wir haben es damit zu tun dass im Moment das vielleicht noch gerade erträglich ist aber in zehn Jahren die Entwicklung eigentlich eine ist die wahrscheinlich das nicht mehr erträglich machen wird von der Hitze her und mit der Hitz kommt auch ein Staubbelastung dazu.

00:07:36: also das heißt es hat mehrere Auswirkungen.

00:07:38: Die grünen Strukturen filtern ja auch die Luft Die Bindenstaub und das hat also mehrere positive Effekte.

00:07:46: Und ein ganz wichtiger Anteil ist die Überschirmung nennt man das, also die Beschattung schlicht und einfach.

00:07:52: Die Überschwirmung ist ein Ausdruck.

00:07:55: wenn wir von oben auf die Stadtkarte schauen würde dann sieht man wie viel die Baumkrone abdeckt von der Fläche und die Bäume sollten mindestens dreißig Prozent dieser Flächen abdecken.

00:08:08: Das ist eine Zahl eigentlich gängig ist, die aber sehr selten wirklich erreicht wird oder in manchen Gebieten eben sehr schwer auch zu erreichen ist wenn man die Verkehrsräume aufrecht hält.

00:08:20: Es geht leider immer nur um ein Trade-off von einer Nutzung mit der anderen weil die Fläche nun mal begrenzt.

00:08:27: Jetzt gibt es aber in Österreich ja eine Verpflichtung, eine Stellplatzverpflichtung aber keine Grünraumverpflichtungen.

00:08:33: zeigt das mich schon ein bisschen wie das Thema bei uns in der Politik behandelt wird?

00:08:38: Das ist ein sehr guter Punkt, den Sie da erwähnen.

00:08:41: Die Grünenraumverpflichtung für neu errichtete Bauwerke würde bedeuten dass nicht nur das Bauwerk selber ausreichend Freiräume hat es wird ja jetzt viel mehr in Balkone und Terrassen und Dächer und so weiter investiert.

00:08:56: auch das war eine Entwicklung die sehr positiv zu sehen ist aber auch im öffentlichen Grünraum, im gemeinschaftlichen Grünrahmen.

00:09:04: der öffentliche Grünen Raum kann größer und kompakter sein.

00:09:07: Der öffentliche Grünraum hat auch die Funktion, dass man sich dort treffen kann.

00:09:12: Dass man andere als die Wohnungsgenossinnen sieht und trifft.

00:09:17: Und gerade für Jugendliche ist es extrem wichtig, dass es Räume gibt wo sie sich frei bewegen können, wo sie eben nicht kontrolliert sind, nicht andauernd sich rechtfertigen müssen und wo sie vielleicht auch selber... den Raum aneignen können.

00:09:31: Das heißt, diese Grünräume und Parkanlagen die außerhalb der privaten Flächen sind müssen natürlich finanziert werden.

00:09:39: und eine Grünenraumverpflichtung so wie wir sie vorgesehen haben in der Studie, die wir für die Arbeiterkammer Wien machen durften.

00:09:46: Die würde dazu beitragen es den Bezirking unter Staat auch leichter zu machen das zu realisieren weil natürlich das extreme Kostenpunkte

00:09:58: Ist es derzeit aber auch ein bisschen ein Thema, dass man das Gefühl hat, es gibt irgendwie die Lobby für den Verkehr ist und dann die Lobbie, die für die Begrünung ist.

00:10:06: Und die ist aber viel schwächer als die Verkehrslobby?

00:10:09: Also da gibt's verschiedene Ebenen.

00:10:11: Mir kommt vor, dass die Personen, die sich für Grünräume- und verlebensfähige Freiräume einsetzen eigentlich sehr viele sind.

00:10:20: also wenn man die Leute selber fragt was wir auch gemacht haben, dann sind alle dafür Aber natürlich sind auch alle dafür, dass sie mit dem Auto fahren können oder viele.

00:10:29: Aber in diesen Bezirken von denen ich vorher gesprochen habe ist ja der Autobesitz viel geringer als in anderen also eben in diesem einen Untersuchungsgebiet das wir damals hatten.

00:10:38: das war immer ein Ausschnitt aus dem fünften Bezirk.

00:10:40: dort gibt es im Fünften bezirk den niedrigsten Anteil an Personen die ein Auto haben.

00:10:45: Das heißt das ist auch sehr verschieden verteilt Bedarf an Parkplätzen und Zufahrten eigentlich ausschaut.

00:10:53: Und die Stadt Wien hat ja auch reagiert und hat in ihren neuen Wienplan aufgenommen, dass es sogenannte Gartenstraßen geben soll.

00:11:01: Wir haben damals Parkstraßen genannt in unserer Studie Also das Straßenabschnitte In Grünräume verwandelt werden und dass die Bewegungsfunktion aufrecht bleibt für den langsamen Verkehr aber das eigentlich keine Autos mehr gibt.

00:11:16: Und das ist die einzige Möglichkeit in diesen dichten Gebieten tatsächlich auch den Grünraum zu vermehren, sonst müssen wir was abreißen.

00:11:23: Das ist ja nicht der Sinn der Sache.

00:11:25: Das Vorbild für diese Gartenstraßen ist Paris ein sehr oft zitiertes Vorbild weil dort sehr radikale Begründungsmaßnahmen umgesetzt wurden – sehr viel radikaler als in allen anderen europäischen Städten, auch Wien und da sind diese Gartestraßen auch schon realisiert worden Und das kommt den Bewohnerinnen sehr zu gut.

00:11:47: Sie müssen sich vorstellen, wenn sie jetzt schnell einmal hinaus wollen um einfach auch aus der Wohnung zu entkommen vielleicht oder wenn sie einfach mal jemanden sehen wollen, der vorbei geht oder vielleicht auch die Kolleginnen und Kollegen treffen, die Mitschülerin dann ist es sehr wichtig dass sie einfach rausgehen können und dort ein Aufenthaltsraum vorfinden ohne dass sie zuerst über Autobahnen quasi drüber gehen müssen.

00:12:12: Und diese Gartenstraßen sind ein Weg in diese Richtung?

00:12:15: Ist das aus der Grund, warum es jetzt nicht was bringen würde einfach so sagen okay wir geben mal auf die dicht verbauten Gebiete, auf die Dächer drauf Pflanzen tröge mit Bäumen sondern da geht's auch wirklich darum den Boden zu verändern.

00:12:27: Das spielt wiederum mit der Qualität der Vegetation zusammen und mit der Dauerhaftigkeit von den Bepflanzungen.

00:12:35: dies gibt Also es wird ja jetzt propagiert, dass die Dachnutzung auch der Hausgemeinschaft meistens zugutekommt.

00:12:43: Das heißt also, dass man aufs Dach gehen kann und dort sich aufhalten.

00:12:46: Es ist natürlich so das man dort vielleicht nicht die Personen trifft, die man gerne treffen will.

00:12:50: Also es ist schon noch eine überschaubare Gruppe,

00:12:53: d.h.,

00:12:53: die Öffentlichkeit wird damit natürlich nicht versorgt.

00:12:57: aber die Substrat-Tiefe für eine richtige Beplantzung erforderlich ist ist mindestens ein Meter Fünfzig.

00:13:05: Das ist schon ganz schön viel und das ist natürlich auch eine statische Frage, ob es dann möglich ist.

00:13:11: Und trotzdem selbst bei Meter fünfzig ist die Lebensdauer natürlich geringer als wenn ich in einem einfachen Boden drinnen pflanzen kann, denn auch während der Bearbeitung und Entstehung von solchen Bargern lang verbessert wird und aufbereitet wird.

00:13:25: aber trotzdem kann sich die Wurzel dort einfach ausbreiten.

00:13:28: Das ist aber natürlich auch ein Kostenfaktor.

00:13:31: Wir haben schon ganz kurz angesprochen, dass Errichten von solchen Anlagen kostet, aber auch die Erhaltung von solchen anlagen kostete.

00:13:38: Dementsprechend ist da eine große finanzielle Verantwortung der Politik dahinter oder?

00:13:42: Auf jeden Fall!

00:13:44: Die hausbezogenen Grünflächen werden ja über Betriebskosten umgelegt, aber die öffentliche Hand muss natürlich bezahlen.

00:13:55: Und da ist die Frage, wie viele Kosten auf der anderen Seite stehen.

00:13:59: Was ist das für eine Rechnung?

00:14:01: Also es gibt Untersuchungen, die angestellt wurden welche Kosten entstehen durch das Fehlen von öffentlichen Grünenraum und diese sind enorm.

00:14:10: Die sind aber so wie bei volkswirtschaftlichen Rechnungen immer natürlich über Umwege und nicht ganz direkt in die Gleichung einzufügen.

00:14:18: Das heißt dass auf lange Sicht die Gesundheitskosten steigen.

00:14:22: Die Versorgung insgesamt viel Kostspieliger wird von Einzelpersonen und diese Erhaltung der Qualität des Freiraums auch kostspielig wird.

00:14:32: Also das heißt auf lange Sicht ist es billiger eine gute Versorgung mit Grünraum zu haben, gesamtgesellschaftlich gesehen als wenn man da spart und sagt na gut dann machen wir halt da jetzt lieber keinen Grünraum oder reißende Straße nicht auf oder so.

00:14:49: Gleichzeitig sind das natürlich Kosten die erst in der Zukunft anfallen werden und jetzt gerade dann.

00:14:53: also wenn man sagt jetzt gerade baut man etwas Neues, errichtet einen Park?

00:14:57: Dann sind das Kosten die jetzt gerade anfallen.

00:15:00: Ja das ist die Crux.

00:15:00: also ich als Landschaftsarchitektin bin ja einer Gruppe zu Gehörigen die immer mit diesem Problem zu kämpfen hat dass vor allem eben bei öffentlichem Grünraum wo Personen nicht direkt ihre Wünsche umsetzen und nach ihrem eigenen Budget handeln können, dass im öffentlichen Grünen Raum zunächst einmal die Rotenzahlen dastehen.

00:15:20: Also es steht da wie viel das kostet, es steht auch wie viel Erhaltung das dann in weiterer Folge erfordert und das auch wiederum kostet.

00:15:28: Und der Nutzen ist einer, der viel weniger direkt ist – das ist richtig!

00:15:33: Und zeitlich gesehen Bei einem Bauwerk, das kann man unmittelbar verwerten.

00:15:38: Da kann man die Besiedlung sofort vornehmen wenn es fertig ist und man kann Wohnungen verkaufen oder was immer dann das Vorhaben ist.

00:15:45: Aber im öffentlichen Grünraum ist es trotzdem so dass die Kosten der Herstellung geringer sind, wenn man das zulässt, dass es auf einen Boden passieren kann.

00:15:57: also wir haben sie ja mit enormen Kostenpunkten in der Baumsetzung zu tun in den Verkehrsflächen weil dort die Bäume unglaublich bedrängt sind.

00:16:05: Man muss sich vorstellen, dass das Lebensalter von Baumarten sehr verschieden ist aber das ist hundert-zweihundert Jahre unter Umständen vielleicht sogar noch mehr.

00:16:16: also wir haben in manchen Parkanlagen Hundertfünfzig dreihundert jahre alte Bäume.

00:16:21: ja Das kann in der Straße sehr viel schlechter passieren.

00:16:25: Die durchschnittliche Lebensdauer im Moment von Straßenbäumen ist dreißig Jahre Also wenn man wohlwollend ist ein Drittel wenn nicht überhaupt noch viel weniger.

00:16:35: Und dem muss was entgegengesetzt werden, das heißt eine Möglichkeit ist es technisch zu lösen da sind jetzt auch viele meiner Kollegen und Kolleginnen in der Landschaftsarchitektur schon sehr weit fortgeschritten und gut aufgestelltes umzusetzen dass die Baumgroben- und die Baumsubstrate verbessert werden, dass die Bewässerung dauerhaft ist

00:16:55: usw.,

00:16:55: gibt's auch Forschungen.

00:16:56: zum Beispiel in Schönbrunn wird geforscht von Thomas Roth auch ein Landschaftsplaner, der Versuche macht mit dem Schwarmstadtprinzip und so weiter.

00:17:06: Aber natürlich wäre es viel billiger wenn man das einfach in einen offenen Grundraum setzen könnte.

00:17:12: Aber der ist nicht befahrbar, er erfüllt diese Erschließungsfunktion nicht die auch notwendig ist.

00:17:18: Also so ganz einfach ist es nicht zu sagen wir machen einfach überall Parks und dann ist die Sache geritzt weil natürlich braucht man auch Bewegungsmöglichkeiten und Verkehrsmöglichkeit.

00:17:26: Das ist ein bisschen der Mittelweg quasi dieser Begrünung in den Straßen?

00:17:31: Ja also die Begründungen in den Strassen müsste vielleicht auch so erfolgen dass da in den Abschnitten die tatsächlich befarber sein müssen Das passiert und vielleicht auch, so im Sinne der Gartenstadt nachgeschaut wird ganz genau.

00:17:46: Wo kann vielleicht tatsächlich die Befahrbarkeit entfallen?

00:17:50: Schwamm-Stadtprinzip was genau ist das?

00:17:52: Es kommt eigentlich aus Asien zu uns.

00:17:55: Das sind Prinzipien dass die Stadt quasi als Schwamm betrachtet wird.

00:18:00: also diese Stadt saugt des Regenwasser auf unterirdisch Und gibt es dann ab dort hin wo's notwendig ist.

00:18:06: Das ist so das ganz simpel erklärt.

00:18:09: Wir haben es hier mit einer Übertragung auf die Baumpflanzungen zu tun in Wien hauptsächlich, wo also unterirdisch Behältnisse gebaut werden.

00:18:19: Also wenn man sich anschaut an Baustelle das wäre vielleicht eher interessant mal hinzugehen von einem neu errichteten Straße wo Baumpflanzungen erfolgen sollen, das ist ein riesengroßes unterirdisches Bauwerk eigentlich.

00:18:32: Wo es also Kammern gibt, wo sich das Wasser absetzen kann und was Kammarn gibt.

00:18:36: Das Wasser muss sich absetzen um auch ein bisschen gereinigt zu werden.

00:18:40: Und dann eben in den Wurzelbereich eingespeist werden kann.

00:18:44: D.h.,

00:18:44: das Oberflächenwasser von der Straße wird nicht in den Kanal eingeführt.

00:18:48: Das ist eine Forderung die schon seit Jahrzehnten besteht.

00:18:50: Es ist ja gut dass jetzt nicht mehr flächendeckend passiert sondern in diese Behältnisse und wird dort dann entsprechend behandelt.

00:18:59: Und der Baum kann dann aus diesen Vorrat zähren, und dann kommt dazu dass in diesem Baum gruben auch nicht einfach irgendwie Erde aus dem nächsten Park oder so eingefüllt wird sondern das sind technische Substrate sogenannte Substrate also das was die Erde ersetzt sind anders zusammengestellte Granulate und Mineralien usw.. die auch einerseits ermöglichen, dass viel Nährstoff drinnen ist.

00:19:30: Andererseits aber auch so konzipiert sind das Luft dazwischen ist.

00:19:34: Weil die Wurzeln brauchen nicht nur Wasser also die Bäume über die Würzeln sondern die dürfen wir auch nicht ersticken.

00:19:42: Das

00:19:42: ist deutlich komplexer als wenn man zu Hause in die Saat legt?

00:19:45: Genau es ist ja sehr kompliziert und da gibt eben viele Leute die sehr fachkundig schon weiterentwicklungen... bearbeitet haben.

00:19:53: Aber die Verdichtung ist eben jahrelang ein Problem, weil wenn da immer schwere Autos drüber fahren dann wird der Boden immer dichter und die Wurzeln erstick.

00:20:04: Wir haben über das Thema Kosten gesprochen.

00:20:06: gleichzeitig gibt es jetzt ja positive Effekte auch auf lange Sicht haben sie gesagt.

00:20:11: Wenn man aber jetzt auf die unmittelbare Lebensqualität liegt gibt's da Studien dass man sagt Die Begrünung bewirkt auch wirklich was für den einzelnen Menschen.

00:20:20: Ja, da gibt es sehr viele Untersuchungen.

00:20:22: Die belegen das die psychische Gesundheit aber auch die physische von einer Durchgrünung abhängt.

00:20:29: Von der Möglichkeit sich in einen gesunken Raum zu bewegen – die Lebensqualität was ich für Luft atme.

00:20:35: Da ist es ganz offensichtlich natürlich!

00:20:38: Aber auch, ob ich mich beispielsweise gut bewegen kann.

00:20:41: Also wenn ich zu Fuß gehen kann und es attraktiv ist, dann bewegen sich mehr Personen körperlich.

00:20:46: Und das ist für die Gesundheit zuträglich ein alter Hut.

00:20:51: Die direkte Verbesserung der psychischen Lebensqualität wurde auch untersucht.

00:20:57: Das hat begonnen mit der Heilkraft sogar.

00:21:00: Erwiesen wurde das in Spitälern vom Krankenzimmer aus... der Blick auf Bäume möglich war, dass dort der Heilungsprozess gefördert wird.

00:21:12: Sogar und das ist natürlich auch für die Erhaltung der psychischen Gesundheit insgesamt gut.

00:21:19: Es gibt diese Forderung von Cecil Koneinendijk heißt er Das ist ein holländischer Forstwissenschaftler- und Stadtforscher Der fordert Drei Dreißig dreihundert heißt es.

00:21:30: Also.

00:21:30: drei bedeutet Man soll von jedem Ort an dem man sich aufhalten muss, sprich Wohnung oder Schule oder Arbeitsplatz mindestens drei Bäume sehen können.

00:21:44: Das kann sich mal jeder überlegen ob das der Fall ist also nicht aus jedem Zimmer und in jedem Fenster aber zumindest von einem Fenster aus um dreißig das habe ich schon angesprochen.

00:21:52: da sind diese treißig Prozent Überschirmung oder Beschattung und dreihundert soll heißen dass man in maximal drei hundert Meter einen Qualitätvollen Grünraum erreichen kann.

00:22:03: Also es ist eine ganz einfache Faustregel, die man sich auch gut merken kann.

00:22:07: Er hat auch sehr große Erfolge mit dieser Faust Regel erzielt und hat auch untersucht ob das tatsächlich Verbesserungen bringt.

00:22:14: Es hat auch Städte gegeben, die das schon umgesetzt haben in Teilbereichen Und es ist der Fall eben auch für die Befindlichkeit der Personen, die dies in Anspruch nehmen können.

00:22:24: In Wien ist das aber noch

00:22:27: nicht überall so?

00:22:29: in sehr wenigen Städten flächendeckend so, weil natürlich die Dichte sehr verschieden ist.

00:22:33: Auch historisch gesehen von den europäischen Städtern nimmt die Dichte normalerweise vom Zentrum nach außen hin ab.

00:22:40: Das ist natürlich etwas durchsetzt mit Entwicklungsgebieten, die auch unter Umständen am Stadtrand sind und dicht sein können.

00:22:47: Aber die weniger dichten Gebiete, die sie auch am Anfang angesprochen haben am Stadtrant dort ist das vielleicht sogar überschritten und im Zentrum natürlich weniger.

00:22:56: aber es geht ja darum möglichst weit in die Richtung zu arbeiten.

00:23:02: Wien hat im Stadtentwicklungsplan stehen, dass es zu einundfünfzig Meter sein sollen ist sogar besser noch als diese dreidreißig-dreihundertregel.

00:23:09: allerdings ist die Qualität von dem grün Raum dann auch noch relevant und wir haben auch eine Untersuchung gemacht am Institut wo wir überlegt haben wie könnte der Grünanteil verbessert werden in diesen Gebieten in denen's eben sehr dicht ist.

00:23:23: also der Begriff Besal Park ist ja wahrscheinlich vielmehr bekannt Bezeichnet kleine Parkanlagen oder kleine Grünräume in diesen dichten, vor allem geringer Zeitstrukturen.

00:23:34: Also dem Gebieten die so um die Jahrhundertwende vom Neunzehnten ins Zwanzigste Jahrhundert gebaut wurden.

00:23:40: und wenn man diese Parks erweitert um die anliegenden Straßenräume dann würde man für das Gebiet sehr stark unterversorgt ist in Wien praktisch die Größe von einem Donnerpark noch einmal erreichen.

00:23:54: also das ist ja die größte Grünfläche, die im zwanzigsten Jahrhundert in Wien gebaut wurde.

00:24:00: Die war ursprünglich mit hundert Hektar konzipiert und hat jetzt noch vierundsechzig.

00:24:04: Aber wenn man sich das vorstellt, dass so viel grün Platz hätte eigentlich, wenn man es erweitert... Und die Erweiterung macht natürlich sehr viel Sinn!

00:24:12: Weil die Erwärterung bedeutet, dass ich nicht kleine Stücke hier und da habe sondern dass ich von einem kleineren Grünenraum zum größeren komme der auch klimatischer viel bessere Auswirkungen hat.

00:24:24: Von der Größe der Grünräume hängt der Abkühlungseffekt auch ab.

00:24:31: Jetzt ist es natürlich auch so, dass das nicht nur eine Kostenthematik bei der Staat oder bei der Politik ist sondern auch die Bauträger sind ja verantwortlich um bei der Errichtung hier Kosten im Rahmen zu halten und auch verantwortungsvoll mit dem Thema umzugehen.

00:24:46: Wo sehen Sie da die Problematik?

00:24:49: Die Bauträger sind auf jeden Fall in der Pflicht sich um diese öffentlichen Notwendigkeiten zu kümmern.

00:24:55: Also die Linie dort zu ziehen, wo das Grundstück endet ist nicht zulässig meiner Meinung nach.

00:25:01: Weil ja die Personen, die dort leben, nicht nur die Wohnung haben, die sie sich mieten können oder vielleicht erwerben können sondern die erleben auch in der Stadt.

00:25:10: Das heißt der Beitrag von den Bauträgern führt die Qualität außerhalb dieser Anlage ist sehr relevant.

00:25:18: Sie haben selber auch vorher schon angesprochen, diese Grünraumverpflichtung.

00:25:22: das wäre eine Möglichkeit.

00:25:24: die andere ist natürlich dass das Sitzender Gebäude in den Stadtraum ein ganz wesentliche Auswirkungen hat auf zum Beispiel die Klimasituationen, die Luftzirkulation aber natürlich auch die Lichtsituation.

00:25:39: also das heißt es gibt eine sehr große Verantwortung in der ursächlichen Handlung Bauträger nehme ich das Gebäude hinzusetzen.

00:25:48: Ich frage, wo?

00:25:49: Wie hoch?

00:25:50: Wie tief?

00:25:51: Wo sind Durchlässe?

00:25:52: Die Durchlässigkeit ist ganz wichtig aber darüber hinaus auch in die angrenzenden Räume oder eben vielleicht sogar darüber noch etwas weitergehend dafür zu sorgen dass die Personen für diese löblicherweise Wohnraum schaffen, dass sie für die Personen ein guter Stadtraum entsteht

00:26:09: Also einen Kraftakt für alle.

00:26:11: Genau

00:26:12: Vielen Dank fürs Gespräch.

00:26:14: Danke Ihnen, danke

00:26:22: für die Einladung.